
Taurusgebirge
Hinter der Türkischen Riviera erhebt sich das mächtige Taurusgebirge als spannendes Winterparadies für Motorrradfahrer, die eine Prise Abenteuer suchen.
Türkei
Strecken-Achsen, Bikertreffs, Tankstellen und fertige Tagesrunden – alles zum Fahren.
Von der Redaktion gefahren und dokumentiert – mit Karte und GPX-Track zum Nachfahren.

Hinter der Türkischen Riviera erhebt sich das mächtige Taurusgebirge als spannendes Winterparadies für Motorrradfahrer, die eine Prise Abenteuer suchen.

Alles begann mit der Familien-Urlaubsplanung unter dem Motto: Sonne, Strand & Meer. Nur an der türkischen Riviera gab es zum passenden Zeitpunkt noch ein p
Die Türkei ist groß genug für mehrere komplett verschiedene Motorradurlaube. Vier Reviere stechen heraus – jedes mit eigenem Charakter, eigener Strecken-Sprache und eigener bester Reisezeit.
Die Südwestküste zwischen Antalya und Fethiye ist das Postkarten-Revier: Die Küstenstraße windet sich über bewaldete Hänge hoch über dem türkisblauen Mittelmeer, immer wieder fällt der Blick auf Buchten und antike Ruinen. Highlights sind die Bergstrecken hinter Kemer und Kaş sowie die kurvigen Anstiege ins Hinterland. Weil hier die Winter mild sind, gilt die Türkische Riviera als Winter-Fahrrevier, wenn die Alpen längst zu sind. Die antiken Lykier-Städte Patara, Xanthos und Tlos liegen direkt an oder kurz neben der Route.
Gleich hinter der Küste steigt das über 1.500 Kilometer lange Taurusgebirge auf – ein Eldorado aus einsamen Nebenstraßen, tiefen Schluchten, Pinienwäldern und Bergseen. Nach fast jeder Kurve öffnet sich ein neues Bild. Die Pässe führen von der warmen Küste in über 1.500 Meter Höhe, der Belag wechselt von frisch asphaltiert bis grob geschottert. Das Taurus ist sowohl für Tourenfahrer auf Asphalt als auch für Reiseenduros auf den unbefestigten Hochstrecken ein Traum.
Im Herzen des Landes liegt Kappadokien, eine Vulkanlandschaft aus Tuffstein-Kegeln, „Feenkaminen" und in den Fels gehauenen Kirchen und unterirdischen Städten. Die Hochebene auf rund 1.000 bis 1.200 Metern bietet weite, schnelle Etappen mit kurzen, intensiven Stopps – die Anfahrt über das anatolische Hochland ist Teil des Erlebnisses. Wegen der Höhe ist Kappadokien ein Sommer- und Herbstrevier.
Der Norden ist das grüne, kühle Gegenstück zur Mittelmeerküste: An der Schwarzmeerküste zieht sich eine rund 300 Kilometer lange Strecke zwischen Steilküste und Meer entlang, besonders schön zwischen Bartın und Sinop. Dahinter steigen die Pontischen Gebirge mit Teeplantagen, Nebelwäldern und steilen Tälern auf. Es ist feuchter und grüner als der Süden – ein Revier für alle, die der Hitze entkommen wollen.
Dass die D915 mit den Derebaşı-Kehren zu den spektakulärsten Bergstrecken des Landes zählt, ist schnell gesagt – interessanter ist, worauf es beim Fahren ankommt. Der Kehrenabschnitt ist über weite Teile nur eine Fahrspur breit, und man teilt ihn sich mit Kleinbussen und gelegentlich einem Lkw. Die wenigen Ausweichstellen liegen an den Kehrenscheiteln; man fädelt sich also vorausschauend ein, statt sich mitten in der Kurve vom Gegenverkehr überraschen zu lassen.

Der lose Belag auf den unbefestigten Rampen trägt trocken ordentlich, wird bei Nässe oder nach einem Gewitter aber zur Rutschbahn – und der Nebel steht am Kamm oft schon am Vormittag. Deshalb gilt die eiserne Regel: nur bei trockener Fahrbahn und guter Sicht, am besten früh am Tag, bevor Dunst und Verkehr zunehmen. Grobprofilierte Reifen, ein ruhiger Blick weit in die Kurve und ein Gang, der ohne harten Lastwechsel durchzieht, helfen hier mehr als Mut. Ein schwer beladener Straßentourer ist auf diesem Belag überfordert; eine leichte Reiseenduro spielt ihre Stärken aus.
Fahren lässt sich der Abschnitt in beide Richtungen. Bergauf geht man auf dem losen Geröll mit Motorbremse und niedrigem Tempo kontrollierter zu Werke – für die erste Begegnung die entspanntere Wahl. So oder so bleibt es eine reine Schönwetter- und Sommerstrecke: Sobald am Kamm Nässe, Nebel oder Schnee im Spiel sind, verschiebt man sie lieber auf den nächsten klaren Tag.
Die klassischen Übergänge vom Schwarzen Meer ins anatolische Hochland – allen voran Zigana und Ovit – gehören zu den großen Fahrzielen des Nordostens. Sie haben aber eine Eigenheit, die man bei der Tagesplanung kennen sollte: Beide Kämme werden inzwischen von langen Basistunneln unterquert. Der Durchgangsverkehr verschwindet damit unter dem Berg, während die alte Passstraße über die Höhe erhalten bleibt.
Für Motorradfahrer ist das eine echte Wahl. Bei gutem Wetter ist die alte Passhöhe die lohnende Strecke – kurvig, aussichtsreich und kaum noch befahren, seit der Fernverkehr die Röhre nimmt. Bei Nebel, Regen oder früh und spät in der Saison, wenn oben noch Schnee liegt, ist der Tunnel die schnelle und sichere Alternative, die auch dann offen ist, wenn die Passstraße gesperrt oder unpassierbar ist. Wer die Aussicht will, legt den Pass auf einen klaren Vormittag; wer nur durchmuss, spart sich unten Höhenmeter und Zeit.
Die Passhöhen selbst sind Wintersperren-Kandidaten: In der kalten Jahreshälfte liegen sie unter Schnee und sind nicht durchgehend befahrbar. Verlässlich offen sind sie meist erst im Sommerhalbjahr – und selbst dann kann ein Wettersturz die Höhe kurzfristig dichtmachen. Vor der Auffahrt lohnt der Blick auf die aktuelle Lage; der Tunnel bleibt als Rückfallebene, wenn oben nichts mehr geht.
Im dünn besiedelten Osten wird die Selbstversorgung zum eigentlichen Planungsthema. Die Ortschaften liegen weit auseinander, und die Tankstellendichte ist gering – auf abgelegenen Bergstrecken kann zwischen zwei Tankmöglichkeiten eine ganze Etappe liegen. Dazu kommt ein Belag, der sich nicht ansagen lässt: Dieselbe Straßennummer wechselt ohne Vorwarnung von Asphalt auf groben Schotter oder in eine Baustelle, und eine kurze Schotterpassage frisst mehr Zeit und Sprit als eine lange Etappe über glatte Straße. Wer nach Kilometern auf der Karte plant, verschätzt sich; verlässlicher ist die Rechnung nach Höhenmetern, Belag und Tankgelegenheiten.
Praktisch heißt das:
Die gute Nachricht: Wo Menschen leben, ist die Hilfsbereitschaft groß, und einfache Reparaturen bekommt man fast überall hin. Die Reichweiten-Rechnung nimmt einem das aber nicht ab – im Osten der Türkei entscheidet sie darüber, ob eine Etappe ein Erlebnis oder ein Ärgernis wird.